Am 19.7.2017 fand in der Galerie Podbielski Contemporary am Koppenplatz 5 in Berlin-Mitte eine Gesprächsveranstaltung mit dem Titel Bilder der Erinnerung. (Familien)geschichte und Kunst statt. Es sprachen die Fotokünstlerin Gesche Würfel (Chapel Hill/North Carolina), der Galerist Pierre André Podbielski (Mailand/Berlin) und der Historiker und Familienforscher Dr. Marc Jarzebowski (Berlin). Im Anschluss formulierten sie folgende Thesen:

1. Mit dem Aussterben der Zeitzeugen, der Vergeschichtlichung der Nazi-Zeit, gewinnt die Kunst in der Erinnerungskultur an Bedeutung.

2. Die Aufarbeitung der Vergangenheit muss sich auf gesellschaftlich-politischer ebenso wie auf Familienebene vollziehen, denn „in Deutschland ist die Geschichte des Holocaust Familiengeschichte.“ (Raul Hilberg)

3. Anders als die der Quellentreue verpflichtete Geschichtswissenschaft kann die Kunst die Vergangenheit kreativ, assoziativ oder provokativ verarbeiten und damit die Rezipienten auf vielschichtige und auch emotionale Weise erreichen.

4. Für die junge Kunst der dritten und vierten Generation bietet der wachsende historische Abstand zur Zeit des Nationalsozialismus eine große Chance für neue kreative Ausdrucks- und Gestaltungsformen.

5. Dennoch sind und bleiben Geschichtswissenschaft und aufgezeichnete Zeitzeugenberichte wichtige Korrektive, damit die Zeit des Nationalsozialismus nicht zum Motivsteinbruch für die Kunst und die sich mit dem Erbe auseinandersetzende Kunst nicht beliebig wird.

6. Die Frage nach dem Schweigen über die Vergangenheit in der ersten und zweiten Generation, so zeigte die Diskussion, bleibt bei der Aufarbeitung und in der Erinnerungskultur eine entscheidende Frage. Nicht um anzuklagen oder zu werten, sondern um besser die Mechanismen zu verstehen, die die Nazi-Diktatur sowie auch das Leben danach und die Trauma-Bewältigung möglich machten.

Sehen Sie hier einen 14minütigen Zusammenschnitt der Veranstaltung (teilweise deutsch, teilweise englisch; Übersetzungen durch Untertitel liegen noch nicht vor):